Arbeitsunfähig- was gibt es zu beachten?

Von: Johanna Rickert    |    Datum: 10. Mai 2018

Wer hat es nicht schon einmal erlebt?! Man wird krank und mit der Krankheit kommt die Frage auf, was es im Bezug auf das Arbeitsverhältnis zu berücksichtigen gibt. Wann muss ich meinem Arbeitgeber meine Arbeitsunfähigkeit melden? Brauche ich immer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt? Was passiert eigentlich, wenn ich meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht pünktlich vorlege? Wir klären diese Fragen, damit Sie sich im Fall der Fälle auf Ihre Genesung konzentrieren können.

An wen muss ich mich wenden, um meine Arbeitsunfähigkeit anzuzeigen?

Das Gesetz besagt, dass der Arbeitnehmer den Arbeitgeber zu benachrichtigen hat. In größeren Unternehmen, in denen die Personalverantwortlichkeit durch einen Organisationsplan an eine Personalabteilung übertragen wurde, genügt es, wenn Sie einen Mitarbeiter dieser Abteilung informieren. Im Übrigen ist Ihr Vorgesetzter der richtige Ansprechpartner. Nicht ausreichend ist es, wenn Sie einen Telefonisten, Pförtner oder den Betriebsrat informieren.

Wann muss ich dem Arbeitgeber meine Arbeitsunfähigkeit eigentlich melden?

Der Arbeitnehmer hat seinem Arbeitgeber „unverzüglich“ seine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer mitzuteilen. So hat es der Gesetzgeber in § 5 I S.1 EFZG geregelt. Unverzüglich bedeutet in diesem Fall, so schnell, wie es nach den Umständen des Einzelfalls möglich ist. Stellen Sie beim Aufstehen fest, dass Sie Ihre Arbeit an diesem Tage nicht antreten können, müssen Sie Ihren Arbeitgeber zu Beginn der betrieblichen Arbeitszeit darüber informieren. Hierfür sollten Sie einen der Kommunikationswege wählen, der in Ihrem Unternehmen üblicherweise genutzt wird (z.B. per Telefon, Email oder SMS). Sollten Sie an einem arbeitsfreien Tag (Wochenende oder bei Teilzeit) erkranken und ist absehbar, dass Sie an Ihrem nächsten Arbeitstag nicht arbeiten können, müssen Sie Ihren Arbeitgeber bereits zu diesem Zeitpunkt benachrichtigen. Sofern Ihre gesundheitliche Verfassung keine persönliche Benachrichtigung Ihres Arbeitgebers zulässt, kann ein Bote dies für Sie übernehmen. Sollte die Erkrankung so schwerwiegend sein, dass Ihnen selbst die Einschaltung eines Boten nicht möglich ist, müssen Sie Anzeige Ihrer Arbeitsunfähigkeit schnellstmöglich nachholen, sobald Sie dazu wieder in der Lage sind.

Wann benötige ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt?

Der Gesetzgeber hat in § 5 I S.2 EFZG als Grundfall geregelt, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung immer dann vorzulegen ist, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Kalendertage andauert. In diesen Fällen müssen Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an Ihrem darauffolgenden Arbeitstag einreichen.

Beispiel 1:       Ihre Arbeitszeit ist auf Montag bis Freitag verteilt. Sie melden sich am Montag arbeitsunfähig. Am Donnerstag sind Sie noch nicht wieder arbeitsfähig. Dann müssen Sie Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am Donnerstag bei Ihrem Arbeitgeber vorlegen.

Beispiel 2:       Ihre Arbeitszeit ist auf Montag bis Freitag verteilt. Sie melden sich am Donnerstag arbeitsunfähig. In diesem Fall haben Sie, sofern die Arbeitsunfähigkeit andauert, bereits am darauffolgenden Montag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen, obwohl Sie nur an zweien Ihrer Arbeitstage arbeitsunfähig waren. Entscheidend ist die Anzahl der Kalendertage.

Ihr Arbeitgeber ist allerdings berechtigt, bereits ab dem ersten Tag, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von Ihnen zu verlangen. Das ergibt sich aus § 5 I S.3 EFZG. Häufig finden Sie diese Regelung in Ihrem Arbeitsvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder auch in einem einschlägigen Tarifvertrag. Aber auch wenn keine vertragliche Regelung getroffen wurde, kann Ihr Arbeitgeber im konkreten Einzelfall eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem 1. Krankheitstag von Ihnen verlangen. Hierfür braucht Ihr Arbeitgeber Ihnen keinen besonderen Grund mitteilen. Eine Einschränkung wird von der Rechtsprechung nur dann angenommen, wenn das Verlangen des Arbeitgebers schikanös oder willkürlich ist.

Was passiert, wenn ich keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlege?

Legen Sie dem Arbeitgeber keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor, obwohl es Ihnen möglich gewesen wäre, kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern. Darüber hinaus können auch arbeitsrechtliche Konsequenzen in Form einer Abmahnung und -in extremen Ausnahmefällen- sogar die außerordentliche fristlose Kündigung drohen. Lassen Sie es soweit nicht kommen.

Kontakt

Rechtsanwältin Johanna Rickert

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Arbeitsunfähigkeit und genesungswidriges Verhalten

Welche arbeitsrechtlichen Konsequenzen kann es haben, wenn sich die bestehende Arbeitsunfähigkeit durch genesungswidriges Verhalten des Arbeitnehmers verlängert? Und wann liegt genesungswidriges Verhalten eigentlich vor?

Arbeitsunfähig- was gibt es zu beachten?

Wann muss ich meinem Arbeitgeber meine Arbeitsunfähigkeit melden? Brauche ich immer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt? Was passiert eigentlich, wenn ich meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht pünktlich vorlege?

2019-02-08T12:32:14+00:00